Sie befinden sich hier: News. Serien. Teil II: Bildgebung.
Teil II: Bildgebung
Durchblick bis ins kleinste Detail (1. Teil)
Wiebke Heiss / MEDICA.de
Es wird gemunkelt, dass man in der Antike schon mal zum Tode Verurteilte aufschnitt, um einen Blick in lebende Menschen zu werfen. Vor zirka hundert Jahren gelang es, den Menschen unversehrt zu durchleuchten. Die Entdeckung der Röntgen-Strahlen löste eine rasante Entwicklung in der medizinischen Bildgebung aus.15.10.2008
Ein neues Ziel für die Medizin ist gesteckt: Ärzte wollen Krankheiten erkennen, bevor sie sich bemerkbar machen – mit Hilfe der molekularen Bildgebung. Leidet ein Mensch nämlich eines Tages an einem Tumor, einer Arteriosklerose oder Demenz, dann entstand das Übel oft lange vorher in den kleinsten lebenden Einheiten des Menschen – den Zellen. Forscher sind davon überzeugt, dass es prinzipiell möglich ist, Krankheiten auf molekulare Abnormalitäten zurückzuführen. Und die gilt es zu finden und sichtbar zu machen.
Die Theorie: Kennt man zum Beispiel die molekularen Abweichungen einer Herzschwäche, könnten bestimmte Marker mit fluoreszierenden Molekülen oder radioaktiv strahlenden Isotopen entwickelt werden, die sich an falsch gefaltete Proteine, mutierte Gene oder krankes Gewebe binden. Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip reichern sich so signalgebende Marker an der schwachen Stelle im System an und werden durch bildgebende Geräte von außen erkannt und lokalisiert. Der Arzt weiß dann, ob der Patient an einer anfänglichen Herzschwäche leidet oder nicht.
Paradigmenwechsel: Der Mensch soll gar nicht erst krank werden
Das Bundesministerium für Forschung und die Industrie beschlossen daher letztes Jahr gemeinsam, 900 Millionen Euro in die molekulare Bildgebung zu investieren. Die ist nämlich Teil eines Paradigmenwechsels in der Gesundheitslandschaft: Der Mensch soll nicht mehr wie bisher vom Arzt repariert werden, sondern er soll gar nicht erst krank werden. Eine beginnende Krankheit muss so früh erkannt werden, dass sie entweder nicht ausbricht oder nur in abgeschwächter Form.
Eine Analyse der Unternehmensberatung Frost & Sullivan fand heraus, dass die molekulare Bildgebung im Wachstum begriffen ist: die europäischen Märkte lieferten 2007 Einnahmen von 201,1 Millionen US-Dollar und sie sollen bis 2014 auf 287.5 Millionen US-Dollar steigen. Auch Siemens nimmt an der Erschließung dieses Marktes teil. „Wir sehen beim Molecular Imaging ein relativ starkes Wachstum in Deutschland, vor allen Dingen großen Nachholbedarf bei der Kombination PET/CT, aber auch viele Wachstumsmärkte im Raum der Schwellenländer Südostasien, Russland und Lateinamerika“, sagt Markus Lusser, Leiter für den weltweiten Vertrieb und Marketing für molekulare Bildgebung bei Siemens in Illinois, USA.
Tracer für Tumoren, Demenz und Herzprobleme
Dabei handele es sich um drei Bereiche, die für die molekulare Bildgebung eine wichtige Rolle spielten: Laut Lusser seien das zum einen die klassischen diagnostischen Systeme wie die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und die Spektroskopie. „Aber auch die vorklinische Phase in der Forschung ist wichtig, damit mehr geeignete Biomarker entwickelt werden.“ Das dritte Standbein befasse sich mit der Verteilung und Lieferung von Isotopen, die sehr kurzlebig sind und daher lokal produziert werden müssen. „In vielen Ländern gibt es hierfür noch keine geeigneten Labors.“
Siemens investiert besonders in die Tumordiagnostik und –therapie. „Molecular Imaging, das sich auf PET stützt, ist extrem onkologielastig“, sagt Lusser. „Daher konzentrieren wir uns darauf, neue Isotope zu entwickeln, die ganz spezifische Möglichkeiten eröffnen, so dass man eines Tages zum Beispiel spezielle Tumoren identifizieren kann, die resistent gegen Strahlentherapie sind.“ Parallel versucht man bei Siemens Tracer für Demenz zu entwickeln. Oder einen Herztracer, der es erlaubt den Herzmuskel zu diagnostizieren. „So soll der Arzt dann besser entscheiden können, welche Therapie die geeignete ist.“
- 1. Teil: Durchblick bis ins kleinste Detail
- 2. Teil: Von schädlichen und nicht schädlichen Strahlen
- 3. Teil: Der Blick in und vor den Kopf - fMRT und Portrait-Holographie
Mehr Informationen
Suche
MEHR ÜBER...
Bildgebung
Demenz
Gesundheitspolitik
Herz-Kreislauf
Krebs
Medizinmarkt
Neurologie
Vorsorge


