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Teil V: Informationstechnologie
Bits und Bytes im Arztkittel (1. Teil)
von Wiebke Heiss/MEDICA.de
Die Revolution kam schleichend: Erst füllten tonnenschwere Rechner ganze Räume, die verwandelten sich mit der Zeit in winzige Mikroprozessoren. Dann eroberten Internet und drahtlose Kommunikation plötzlich die Welt. Die Informationstechnologie verändert unser Leben. Auch das von Ärzten – heute und in Zukunft. 15.01.2009
Das 21. Jahrhundert ohne Informationstechnologie (IT) wäre eine Welt, in der wir uns nicht zurecht finden könnten: Kein einziges modernes Flugzeug würde sich in die Lüfte schwingen, weder Steak noch Gemüsegurke fänden ihren Weg in die Supermarkt-Kühlregale, wir könnten nicht mal mehr telefonieren. Auch Krankenhäuser hätten hart zu kämpfen, gesundheitliche und finanzielle Anforderungen ohne die Hilfe von Bits und Bytes zu erfüllen - vor allem im Angesicht vom allgegenwärtigen Finanzproblem im deutschen Gesundheitssystem.
„Aber der Kostendruck bringt auch mehr Dynamik in die Krankenhäuser“, sagt Andreas Lange. Der Diplom-Informatiker sitzt im Vorstand des Verbandes der Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen (Vhitg). „Er zwingt die Kliniken, effizienter zu arbeiten.“ Ein Bereich, in dem es in vielen Häusern tatsächlich Nachholbedarf gibt: Nicht selten steht im Untersuchungsraum zwar ein hochmoderner Kernspintomograph, der jeden Winkel des menschlichen Körpers in brillanten 3D-Bildern offenbart, das Pflegepersonal und Ärzte drücken hingegen in jahrhundertealter Manier ihre Informationen mit stumpfen Bleistiften in Papierlisten.
Infos sind für alle da
Die Lösung bringt der Informatiker. Er hilft dabei Krankenhäuser zu modernisieren, sie mit der aktuellsten IT-Technologie auszustatten und so Prozesse im Krankenhaus zu optimieren. „Mittlerweile ist das so genannte Entry in fast jedem Haus, das über mehr als einhundert Betten verfügt, im Einsatz“, schätzt Lange, der auch als Manager Healthcare Central Europe beim IT-Dienstleister Tieto Enator arbeitet. Das bedeutet: Untersuchungsergebnisse wie digitale Röntgenbilder, EEGs, EKGs werden elektronisch aufbereitet und liegen dem Arzt vor, aber auch in der Abteilung selbst und als Link in einer Akte vermerkt. Es wird überflüssig Röntgenbilder vom Oberarzt zur Stationsschwester und zurück zu tragen, die Aufnahmen liegen mit einigen Mausklicks mehreren Leuten gleichzeitig an verschiedenen Orten vor.
Langsam aber sicher setzt sich auch die Kommunikation per Computertaste zwischen den Abteilungen durch: Statt telefonisch um Patientendaten zu bitten, kann das Personal das Material einfach über eine elektronische Liste anfordern. „Das macht langes Warten überflüssig“, so Lange. Und spart auf lange Zeit gesehen Geld – genau darum geht es bei der Optimierung in Krankenhäusern. „Um die Auslastung der Geräte und den teuersten Faktor, nämlich Ärzte und Personal, zu optimieren, müssen Ressourcen fachübergreifend ausgelastet werden“, erklärt Lange. OP-Säle können erst dann optimal genutzt werden, wenn es von der gesamten Patientenstruktur abhängig gemacht wird, was in den Sälen wann passiert. Den Überblick sollen Softwareprogramme halten.
Das Ziel für die Zukunft sind klinische Pfade – Workflows, die den Rahmen bilden, wie die Behandlung eines Patienten organisatorisch am Effizientesten ablaufen soll. „Da müssen dann alle Pläne miteinander korrespondieren“, sagt der IT-Spezialist. Genau diese Programme finden nun langsam Einzug in deutsche Kliniken. In Zukunft, glaubt Lange, werden irgendwann auch mal Krankenhäuser untereinander funktionieren. Schon heute gibt es teleradiologische Projekte in Deutschland, etwa in kleinen Kliniken, die sich während der Nachtdienste keine eigenen Radiologen leisten können und so miteinander an einem Strang ziehen. IT-Unterstützung scheint sich also zu lohnen – nicht nur für die Krankenhäuser, sondern auch für IT-Unternehmen. „Zug um Zug gibt es eine Zuwachsrate für Krankenhaus-IT-Anbieter von zehn Prozent“, freut sich Lange.
- 1. Teil: Bits und Bytes im Arztkittel
- 2. Teil: IT-Revolution - das Ende schon in Sicht?
- 3. Teil: 3D-Kino mit Horrorelementen


