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MEDICA Update - Rückblick 2009

Cochlea-Implantat: Einrollen in Schneckenform

Ist jemand schwerhörig, fängt man automatisch an zu brüllen, um sich verständlich zu machen. Das Problem: Alles, was lauter ist als 80 Dezibel, schmerzt - egal ob schwerhörig oder nicht. Der Schall kann deshalb mit Hörgeräten nicht beliebig verstärkt werden. Die Lösung: ein neues Cochlea-Implantat mit dem, im Gegensatz zu herkömmlichen Modellen, das Resthörvermögen erhalten bleibt. 19.11.2009

Foto: Omid Majdani
Omid Majdani;© Messe Düsseldorf

Stark schwerhörige Menschen hören mit einem normalen Hörgerät vielleicht noch Geräusche, aber einer Unterhaltung können sie nicht mehr folgen. Diesen Patienten könnte bald mit einem neuen Cochlea-Implantat geholfen werden, das an der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelt wird. Im Gegensatz zu normalen Hörgeräten verstärken Cochlea-Implantate nicht den Schall, sondern stimulieren die Hörnerven innerhalb der Hörschnecke, der so genannten Cochlea, mit einem elektrischen Feld. Ein Cochlea-Implantat-System besteht aus einer Elektrode, die in die Hörschnecke eingeführt wird, einem Sprachprozessor, einem Mikrofon und einer Sendespule, die sich hinter dem Ohr unter der Haut befindet. Der Sprachprozessor wandelt die Sprachlaute in für die Elektrode geeignete Signale um und überträgt sie mit Hilfe von Hochfrequenzwellen.

Bisher wird die Membran der Hörschnecke beim Einführen des Implantats zerstört - und damit auch jegliches Hörvermögen. "Das wollen wir mit unserem neuen Implantat aus Formgedächtnismetallen verhindern", erklärt Omid Majdani, der bereits seit einigen Jahren an der Entwicklung des Implantats arbeitet, in seinem Vortrag bei MEDICA VISION. Denn das neue Metallimplantat verformt sich beim Einführen durch die Körperwärme in Form der Hörschnecke. "Es wird also rund und biegsam und der Chirurg spießt nicht mehr ständig durch die Membran", sagt Majdani. Bis das neue Implantat einsatzfähig ist, wird es allerdings noch etwas dauern. "Bis 2013 wollen wir ein Vorführmodell haben, das wir klinisch testen können", so Majdani.

Sonja Endres
MEDICA.de

 
 

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